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What What What, 1:07, 2011/2017

Discussion, 3:25, 2004/2016 (Herzlichen Dank an Cosmix-Studios, Wien)

In diesem Video übt sich der Künstler abermals im Wiedergeben von „ausgewählten Spitzenaussagen über die Befindlichkeit der zeitgenössischen Kunst“ (Hartwig Bischof) und ihrer Rezeption. Im Büßergewand des Erkrankten lässt er diesmal dem Betrachter jedoch so gut wie keine Chance mehr, den einzelnen Gedanken zu folgen: gleichzeitig dozieren zwölf Endlichers im Splitscreen ihre Weisheiten. Diese stammen, wie gewohnt, aus den Federn anonym bleibender Über-Kunstschreibern. Maximale Erklärungskompetenz schaukelt sich auf zur unverständlichen Kakophonie, doch nach zweimaligem Durchlauf bleibt am Ende doch noch eine letzte Aussageschleife vernehmbar stehen. Sie führt zurück an den Anfang aller Kunst: auf das brüchige Künstlerselbst zwischen Kunst und Leben.

Ich bin der ich nicht bin, 10:11, 2016

Mann|Frau, Geist|Körper, Sprache|Schrift, Natur|Kultur, Erfolg|Scheitern ... Das nach wie vor wirkmächtige Denken in binären Oppositionen erfasst auch das zuweilen instabile Künstlersubjekt. Wenn die identitätsstiftende Abgrenzung vom Anderen nicht mehr gelingt, wächst auf ungeahnte Weise zusammen, was nicht zusammengehören darf. Endlichers Sprach- und Video-Performance verfolgt das Aufwallen von Künstleridentitäten im Widerstreit mit vereinnahmenden Zuschreibungen von Außen. Es endet in einer hybriden Dystopie.

LEIBHAFTIG PLURIFAKT, 2:28, 2014

Endlichers Fragen nach Identität und Körperintegrität als Künstler zentrieren sich in Form dieser Videoarbeit. Wenn man diese genau betrachtet, lässt das Weiß des Leintuchs, der nackte menschliche Körper, die Bewegung und die Symmetrie des Settings klinische Assoziationen anmuten, wie sie im Bereich der Medizin etwa in der Computertomografie beim Scan des menschlichen Körpers zu finden sind. Sensibel gelöst ist hier das, was sich im Hintergrund am Bildschirm vollzieht. Es ist ein besonders spannendes Spiel mit dem was im Kinoapparat als Blickregime bezeichnet wird. Eine Form der voyeuristischen Attraktion die in dieser Art und Weise nur in einem zeitgebundenen Medium möglich ist. Langsam schiebt sich von beiden Seiten das Motiv, der nackte menschliche Körper ins Bild und wird im Zentrum vom Bildschirm förmlich verschluckt. Nur langsam rückt die verdeckte Scham ins Bildgeschehen und scheint sich am Ende des Loops dennoch zu entblößen, wenn die letzten Haarbüschel des Kopfes am Ende des Loops verschwinden. Was sich hier sensibel und hintergründig rein im Kopf des Betrachters als Frage nach dem biologischen Geschlecht, einer biologischen Identität auftut, wird durch den Text im Vordergrund hart überlagert: der Frage nach der sozialen, beruflichen Identifizierung. (Christoph Urwalek)

Ich bin total gesund, 2:52, 2013

Das Video setzt die Litanei-Serie fort und persifliert den Wellness- und Gesundheitsboom. Während der Anrufungen und Wiederholungen gleitet die Kamera langsam über die Teile des nackten Körpers wie die Finger über die Perlen eines Rosenkranzes. Auch hier, wie in Endlichers „Langwortbildern“, der dramaturgische Kunstgriff der Verzögerung und der Spannung von Zeigen und Verbergen. (Eva Maltrovsky)

I am Gerhard Richter, 4:40, 2012

Michael Endlicher's memorable piece strikes me as both homage to the artist's inescapable influences — and an exorcism of them. That is, a desire to acknowledge (consume) the weight of history and, at the same time, be rid of it (eliminate). I consider Endlicher's title in this light, and think of the Dresden-based work of Gerhard Richter's called Atlas: A world on the shoulders of the artist. In this sense, there is an egoism about the piece that is striking, and yet at the same time, a powerful ritualized acceptance. Moreover, given the theatrical lighting, one is tempted to recall a Greek bust, and its references to the Oedipal imperative to (at least metaphorically) 'kill' the father. (Victoria Hindley)

Herr Meneutik #2, 4:58, 2011

Der sonst klare Abstand zwischen der Kunst einerseits und der Rede über sie andererseits, löst sich auf, Kunstwerk und Redekunst fallen in eins, der diskursive Akt wird zum Kunstwerk (Hartwig Bischof).
(-> Herr Meneutik, ein plurifakter Künstler von Lucas Gehrmann)